Die Senioren der Herbol-Werke Würzburg erinnern sich

Zeitzeugen berichten aus ihrer Sicht über Begebenheiten, Innovationen und Erfolge
Noch mögliche Zeitzeugen-Berichte von Herrn Rau, Herrn Misof,  Herrn Conrad u.a.

Berichtzusammenstellungen  von Heinz Töpfel
von 1960 bis 1996 bei Herbol und BASF Coatings
 


____________________________________


Bericht von
1944,  Autorin unbekannt.
"Gedanken zur Entstehung des Zweigwerkes Würzburg"
 

Für den Fall, daß in Köln infolge Fliegerschäden eine Fabrikation bzw. geregelte Arbeit nicht mehr
möglich sein sollte, waren in Würzburg Ausweichbetriebe vorgesehen und zwar:

1.) Heidingsfelder Lackfabrik vormals Brauer und Co. Inh. Wenzel und Schmelz, Tiefegasse 4
2.) Farbenfabrik Dittmar, vormals D. Birk Heidingsfeld, Winterhäuserstr.
3.) Büroräume in der Schokoladenfabrik " Frankonia " Würzburg Zeppelinstr.

Im Oktober 1944 trat dieser Fall ein und ein Teil der Belegschaft siedelte in Gruppen nach
Würzburg beziehungsweise Würzburg-Heidingsfeld über.

Ich gehörte zur zweiten Gruppe und traf arn 20. Oktober 1944 in Würzburg ein. Mit mir
zusammen fuhr auch Herr Wilhelm Franz, der spätere Leiter des Zweigwerkes Würzburg. 
Die erste Gruppe war einige Tage vorher angekommen und sollte für uns Quartiere beschaffen.

Würzburg und auch Heidingsfeld waren noch unzerstört (wir Kölner glaubten in ein Paradies
zu kommen ), aber die Leute waren nicht sehr geneigt, Zimmer zu vermieten, so daß wir ziemliche
Mühe  hatten, ein Unterkommen zu finden.  Das Hotel Schönleber in Würzburg, (weitläufig
mit der Familie Herbig verwandt) diente als Übergang, bis Privatquartiere gefunden waren.

Herr Prokurist Auffermann (Einkauf) Herr Dr. Heuser Personal- und Buchhalter),
Herr Dr.Losen (Laborchef ) und Herr Dapper (Ingenieur) waren ebenfalls in Würzburg.

Meiner Erinnerung nach dauerte es bis Ende Dezember 1944 bis Anfang Januar 1945 bis die Lackfabrikation in Gang kam.

Dann kam der 16. März 1945 mit seinem Großangriff auf Würzburg und Heidingsfeld und
in 2o Minuten sank die Stadt in Schutt und Asche.

Vorher waren vereinzelt Bomben gefallen, wobei unsere Hauptbuchhalterin, Frl. Margarete Krätz als erste fliegergeschädigt wurde (sie wohnte zu dieser Zeit im Hotel Lämmle, Würzburg). Am 16.3.1945 verlor sie in Heidingsfeld beim Angriff wieder ihre Unterkunft. Es wurden, sehr viele Brandbomben geworfen, die vor allem in den engen Stadtkernen verheerende Wirkung hatten.
 


Herr Josef Neu (später Kassierer in Köln ) konnte sein Leben nur dadurch retten, daß er in einen Löschteich sprang und ab und zu seinen Kopf unter Wasser tauchte, um in der Gluthitze zu überleben.

Eine ganze Anzahl der Betriebsangehörigen verloren ihre Unterkünfte. Beide Fabrikationstätten wurden vernichtet und auch die Firma "Frankonia" wurde schwer getroffen, sodaß wir unsere Büros verloren.

Im Gasthaus "Reuterskeller" (Pächter Familie Ernst) wurde uns ein großer Nebenraum zur Verfügung gestellt, in dem Notbetten aufgeschlagen wurden, wo ein Teil der Fliegergeschädigten bis zu ihrer Rückkehr nach Köln wohnten. Nach der Zerstörung war keine geregelte Arbeit möglich.

Es gab laufend Fliegerangriffe, auch bei Tage. Am 19.3.1945 kam die Tochter des Herrn Frank (Ölkocherei),die zu Besuch bei ihrem Vater war, bei einem Tieffliegerangriff ums Leben. Sie ist auf dein Heidingsfelder Friedhof beerdigt. (Ich habe ein Foto des Grabes.)

Es ist vielleicht interessant, daß in der Zeit, wo nicht gearbeitet werden konnte, ein verkürztes, einheitliches Entgelt gezahlt wurde; DM 175.-- und für die Prokuristen etc. DM 25o.-- pro Monat.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner bzw. nach der Kapitulation begann das Aufräumen und der Wiederaufbau der Lackfabrik in der Tiefengasse.

Wir Frauen beteiligten uns, indem wir mit Stahlbürsten die im Schutt gefundenen Werkzeuge reinigten. Die Firma Kindermann Heidingsfeld …….