Die Senioren der Herbol-Werke Würzburg erinnern sich

Zeitzeugen berichten aus ihrer Sicht über Begebenheiten, Innovationen und Erfolge


Bericht von Heinz Töpfel
von 1960 bis 1996 bei Herbol und BASF Coatings


 

Lösung des Problems 
"Neigung zur Bläschenbildung"

 

  Ende der 1960er Jahre traten sowohl beim Einschicht Metallic als auch beim Zweischichtmetallic in Schweden,  aber auch bei VW zunächst unerklärliche Bläschenbildung auf.

An Bewitterungstafeln  in Würzburg traten an Metallic lackierten Tafeln im Vergleich zu Decklacken im Schnitt deutlich mehr Bläschen auf.  Mikroskopische Untersuchungen zeigten, dass sich die Blasen an der Grenzschicht zwischen Decklack und Füller bildeten, jedoch nur an Stellen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt waren.

In dem wässerigen Inhalt der Blasen konnten im Kölner Untersuchungslabor Zink- und Sulfat-Ionen nachgewiesen werden. Die Blasen konnten als osmotische Zellen angesehen werden, die durch Anwesenheit von Zinksulfat entstanden waren. Die Bildung von Zinksulfat konnte aber nur in Metallic-Lacken festgestellt werden.

Durch diese Beobachtungen verdichtete sich der Verdacht, dass die Zink- und Sulfat-Ionen aus der Grundierung kamen. Herr Hermann konzipierte deshalb eine Reihe so genannte "Modellfüller" mit unterschiedlichen Pigmenten. Sie wurden Teils mit Klarlack oder mit Decklack  überlackiert.

 Letzten Endes stellte sich heraus, dass ein hoher Gehalt an Zinksulfid die Bläschenbildung unter Licht Einfluss von Licht enorm förderte. Wettertafeln mit Füller ohne Zinksulfid sind in Ordnung geblieben.

 In Gegenwart von Licht und  Wasser wird das wasserunlösliche Zinksulfid  durch Sauerstoff zum wasserlöslichen Zinksulfat oxidiert. Durch das vom  Zinksulfat festgehaltene Wasser entstehen zwischen Decklack und Füller osmotische Zellen, durch die der Decklack vom Untergrund abgedrückt wird:
es entstehen Blasen.

 Da wir nicht bei allen Metallic verarbeitenden Firmen den Füller geliefert haben, haben wir den Prozessabteilungen Anfang 1969 von diesen Erkenntnissen informiert. Es dauerte nicht lange bis alle Füller  Zinksulfid frei waren.



 Chem.-Ing. Friedrich Herrmann (zweiter von links)

 

  Anfang 1970 jedoch waren wieder auf einigen Bewitterungstafeln auf dem Würzburger Wetterstand
wieder aufgetreten. Reihenuntersuchungen ergaben, dass es diesmal nicht am Zinksulfid verursacht wurde, sondern am PVC haltigen Bindemittel lag. Das chlorhaltige Polyvinylchlorid war nicht genügend lichtstabil.
Es bildeten sich sich ebenfalls wasserlösliche Chloride unter dem Klarlackfilm, die durch osmotische Effekte Bläschen in der Metalliclackierung bewirkten. 


Willi Vesper  1970

Jetzt kam Willi Vesper auf die Idee anstatt PVC ein CAB haltiges
Bindemittel einzusetzen. Die Bläschenbildung war jetzt deutlich verbessert.  Die Glanzhaltung und Ausbleicheffekte waren aber noch nicht optimal. Das musste unbedingt verbessert werden. Außerdem neigte der Alkydharz- Klarlack zu vereinzelter Rissbildung.

Zur Lösung des Problems drängte sich der Einsatz eines UV Absorbers im Klarlack ein. Unglücklicherweise gab es zu der Zeit für Lacke kein brauchbares Produkt. Alle verfügbaren UV Absorber für Lacke zerstörten sich mit der Zeit unter Einfluss des Wetters  selbst.  Es gab aber stabile UV Absorber für Kunststoffe die mit dem Extruder eingebracht werden mussten.

Willi Vesper versuchte daraufhin den UV-Absorber für Kunststoffe mit geeignete Lösemitteln stabil in den Klarlack einzubauen. Nach vielen Versuchen gelang es ihm. Die Ergebnisse der Versuchstafeln im speziellen Kurzbewitterungstest waren überraschend gut. Sie sahen so aus, als ob sie gar nicht im Bewitterungstest gewesen wären.

Sofort wurden Wettertafel für die Bewitterung in Florida und für den Würzburger Wetterstand angefertigt. Die erste Beurteilung nach einem Jahr bestätigte das gute Ergebnis der Kurzbewitterung im speziell modifizierten Weather-O-Meter.  Nachdem der Klarlack auf Alkydharz-Basis  durch Acrylharz ersetzt werden konnte, war ein vorläufiger Endstand erreicht.

 

  Einen großen Anteil an diese innovative  Entwicklung des lösungsmittelhaltigen
 Metallic-Systems vom Ende der 60er Jahre bis zum Anfang der 70er
hatten nach meiner Erinnerung:


Direktor Wilhelm Franz

Werksleiter von 1946 bis 1974
Philip Schlötzer Labor und Betriebsleiter bis 1968
Rudolf Renz Entwicklungslaborleiter ab 1969
Herr Misof Verkaufsleiter Auftragserteilung
Max Sakriss Teamleitung Kundenbetreuung
Chem.-Ing. Friedrich Herrmann Teamleiter Entwicklungslabor von 1964 bis 1970
Lacktechniker Willi Vesper Teamleiter Entwicklungslabor ab 1970
Herr Kath Betriebsversuche Wachslösung
Heinz Töpfel Teamleitung Anwendungstechnik
Reinhold Hupp Lackiertechnik
Ruth Hargutt Rohstoffprüfung, Farbmesstechnik
Dr. Chem. Hermann Josef Drexler Lackentwicklung ab 1978