Die Senioren der Herbol-Werke Würzburg erinnern sich

Zeitzeugen berichten aus ihrer Sicht über Begebenheiten, Innovationen und Erfolge


Bericht von Heinz Töpfel
von 1960 bis 1996 bei Herbol und BASF Coatings
 

 

Lösung des Problems 
"Für Metallic geeignete Kurzbewitterung"

 

Ende der 1960er Jahre  wurden aus Florida starke Bläschenbildung beim
Zweischicht-Metalliclack gemeldet.  Wir haben dann unsere 1 Jahres-
Bewitterungstafeln aus Florida zurückschicken lassen. Wir mussten dann
leider feststellen, dass auch unsere Tafeln Bläschenbildung zeigten.

 

Die Bewitterungsanlage in Florida nahe Miami



 


Der Wetterstand in Würzburg im Jahre 1972


 

Um die Ursache zu ergründen, wurden wieder "Modell-Metallic-Lackierungen auf Wettertafeln, aber auch auf kleineren Prüftafeln appliziert. Die Bläschenbildung in Florida war so stark, dass wir nicht mindestens ein Jahr Floridabewitterung abwarten konnten, um nicht Gefahr zu laufen, eine immense Reklamation an den Hals zu bekommen.

Wir brauchten also einen verlässlichen Schnelltest um die Ursache so schnell als möglich zu erkennen. Herr Direktor Franz hatte bezüglich der Zinksulfid-Bläschen schon vor 2 Jahren einen Atlas "Weather-O-Meter" von der Fa. Brabender Duisburg gekauft.



Unser Atlas "Weather O Meter" von 1970



 

Ein Blick in den Proben Raum des Weather-O-Meters.
Beregnung mit deionisiertem Wasser, einer gekühlten Xenonlampe mit Quarzfilter
und zusätzlich eine Filter-Laterne mit 6 austauschbaren Kantenfiltern.




 


Leider war mit der Standard-Einstellung des Gerätes keine Übereinstimmung mit dem Schadensbild auf den Floridatafeln zu erreichen. Die Metallic Lackierung war zwar angegriffen, aber in einer ganz anderen Art und Weise. Die Testtafeln sahen wie verbrannt aus. Von Bläschen war keine Spur zu sehen. Nach Überlegungen, wie man den Testzyklus des Weather-O-Meters" ändern könnte, waren Willi Vesper und ich der Meinung, dass wir den Beregnungszyklus und die Wellenlänge das UV-Lichtes aus der 6000 Watt Xenonlampe ändern müssten.
 


 

  Dem Gerät lag ein Quarzfilter bei, der fast das ganze UV-Licht der Xenonlampe durchgelassen hat, und ein "Bräunungsfilter" bei dem so gut wie keine Schädigung der Metalliclackierung auftrat. 

Bei der Firma Schott in Hanau konnte man so genannte "Kantenfilter" mit verschiedenen Wellenlängen im UV Bereich in Scheibenform bekommen.
 






    Wir haben dann kleine Filter mit verschiedenen Kantenlängen im Abstand von 2 cm vor dem Blech mit Drahtbügel platziert.

Schon die erste Versuchsreihe mit dieser Anordnung zeigte den richtigen Trend einer Schädigung des Lackfilms auf. Es waren aber noch keine eindeutigen Bläschen zu sehen.

Es konnte offensichtlich nicht genügend  Feuchtigkeit in den Film hinein diffundieren um osmotische Effekte zu bilden.

Der Standard-Beregnungs-Zyklus des "Weather-O-Meters" war 2½ Std. Licht an,  ½ Std. Licht aus. Während "Licht aus" wurden die Probetafeln mit deionisiertem Wasser mit feiner Düse bestäubt.

In Florida, wo die Bläschen zu dieser Zeit nicht nur auf den Bewitterungstafeln aufgetreten sind, sondern es gab auch Beanstandungen von den Fahrzeughalten.

In Florida sinkt die Temperatur nachts sehr stark ab. In Verbindung der üblicherweise hohen Luftfeuchtigkeit in Florida sind die Autos bis lange nach Sonnenaufgang sehr stark mit morgentlichen Tau bedeckt.

Auf den Metallic-Lack wirken also mindestens 2 Stunden am Tag Sonnenstrahlung und Wasser gleichzeitig auf den Film. 

 

Austauschbare Filterlaternen vor das "Cockpit" des

Veröffentlichung in "Farbe und Lack 1974
Mehr:   Einfluß des UV-Lichtes auf die Zerstörung von Lackfilmen

 


Diese Gegebenheiten haben wir dann versucht im Kurzbewitterungstest nachzubilden. Mit der Wassermenge, die die feinen Düsen des WeatherO Meters während "Licht an" versprühten, wurden die Tafeln nicht nass.

Die Wassermenge musste deshalb erheblich angehoben werden. Das war natürlich mit gekauften Wasser nicht zu verwirklichen. Auch das wäre auch zu unrentabel gewesen.

Wir entschlossen uns, eine Wasseraufbereitungsanlage mit zusätzlichem Mischbettfilter anzuschaffen. Später kam auch ein Aktivkohlefilter dazu.  Wir haben das versprühte Wasser wieder aufzufangen und im Kreislauf zum Weather O Meter zurückgeschickt
 




Wasseraufbereitungsanlage im Wasserkreislauf des Auffangbecken, Pumpe,
Kühlgerät, Kationen-, Anionen-, Mischbettfilter und Vorratsbecken mit Pumpe

 

Dadurch wurde es jetzt möglich, die Probebleche im Weather-O-Meterauch
während der Bestrahlung nass zu halten. Das war jetzt der entscheidende
Schritt für einen brauchbaren Bewitterungs-Kurztest für Metallic-Autolacke.


Heinz Töpfel, Willi Vesper und Rudolf Renz bei einer Probenauswertung

 

Auswertung der Versuchstafeln in Florida
 Heinz Töpfel und Dr. Hermann-Josef Drexler




 

Herr Drexler in Florida bei der Begutachtung
von über 120 Fahrzeugen mit Protokoll



 


 


Dieser effektive Kurztest hat dazu beigetragen, dass die
 kritische Phase von 1968 bis 1974 überwunden werden konnte.

Wir konnten  immer noch gerade rechtzeitig unsere
Metallic-Autolacke-Lacke auf stabilere Rohstoffe umstellen:
 

#
 
 Den Füller von  Zinksulfid auf Titandioxid
       wegen  Bläschenbildung.
#

 
  Den Metallic Basislack von dem chlorhaltige PVC auf
       das stabile CAB
       wegen Bläschenbildung und  Glanzabfall
#

 
  Den Überzugslack von Alkyd- auf Acrylharz Basis
       mit einem stabilen UV-Absorber 
       wegen Rissbildung  und  Glanzabfall


Der Erfolg des lösungsmittelhaltigen Metallic-Autolack-Systems ist auf
die hervorragende Arbeit des ganzen Teams um Rudolf Renz geschuldet. 

Ab 1988 wurde der Basislack vom Metallic Wasserbasislack abgelöst.
 


Veröffentlichung in "Farbe und Lack 1974
Mehr:   Einfluß des UV-Lichtes auf die Zerstörung von Lackfilmen
 

 

Erste Lieferung der neuen CAB Metallic-Basislack 1970 an der Fa. Porsche AG