Die Senioren der Herbol-Werke Würzburg erinnern sich

Zeitzeugen berichten aus ihrer Sicht über Begebenheiten, Innovationen und Erfolge

Bericht von Willi Vesper
von 1969 bis 2002 bei Herbol



Die Entwicklung der Aluminiumlacke

     Ende der sechziger Jahre waren Metallic-Lackierungen nicht weit verbreitet. Sie waren eigentlich Nischenfarbtöne.
Der Grund waren sowohl die aufwendige Verarbeitung der damaligen Einschicht Metallics als auch der ausgesprochen schlechte Metalleffekt. Es gab schlechte Erfahrungen mit der mangelhaften Beständigkeit dieser Lackierungen aber es gab einen großen Wunsch nach schönen Metallic-Farben.

Auch der erzielbare Aufpreis hat die Autohersteller gereizt. Beim Automobilhersteller Glas in Dingolfing, heute BMW gab es optimierte Einschichter, die nach dem Einbrennen noch mit einer Klarlack-Schutzschicht überlackiert wurden.
 Daraus entstand die Idee einen den damals sogenannten Metallic-Vorlack und den Schutzklarlack ohne Zwischenbrennen in nur einem Prozeß zu lackieren.

Das Problem, das wir als erstes lösen mussten, war einen Vorlack (Basislack) zu finden, der nach kurzer Ablüftzeit überlackierbar war und nicht wieder angelöst wurde. Sonst ging der metallische Effekt gleich wieder verloren. Nach vielen Vorversuchen und praktischen Vorschlagen von Heinz Töpfel haben gleich die ersten Linienkarossen sehr gut ausgesehen. Zielkunden waren BMW. Karmann, Porsche und Audi (Ingolstadt).

Auch andere Automobilhersteller bekundeten bald Interesse, konnten aber aus Kapazitätsgründen gar nicht schnell genug beliefert werden. Erst später wurden auch VW Wolfsburg, Emden und SaIzgitter, Renault und Simca aus Würzburg beliefert. Auch die große Lackiererei in Wolfsburg wurde jahrelang in 25kg-Hobbocks beliefert.
Die erste Generation basierte auf Polyester, Melamin, PVC-Mischpolymerisat und hatte einen Festkörper von nur 14%. Als Rheologiehilfsmittel war damals schon ein Polyethylenwachs im Einsatz. Eine vermeintliche Fehlcharge der zunächst benutzten Wachslösung ergab die heute noch übliche Wachsdispersion, die viel wirksamer war.

Bewitterungsergebnisse machten es nötig, 1974 vom PVC-Mischpolymerisat auf die heute noch gängige CAB Basis zu wechseln und den Klarlack mit Lichtschutzmitteln zu versehen. Das war der eigentliche Durchbruch der Zweischicht-Metallic-Technologie. Entscheidend war die Tüftelei zunächst eine Kurzbewitterungsmethode zu erarbeiten.

Alle Schädigungsbilder die in Florida auftraten, mussten bereits nach wenigen hundert Stunden erkannt werden.
Mitte der 80er Jahre kam die Forderung nach kürzeren Applikationszeiten und einem höheren Festkörper. Ein Zwischenschritt zu den heutigen Medium Solid Rezepten waren Lacke auf Basis eines Polyurethanharzes. Dies stand dann Pate für die zeitgleich stattfindende Wasserbasislackentwicklung, deren Hauptbindemittel bis heute ein Polyurethan ist.

Willi Vesper

 

Fa. Glas "Modell GT" hellblau metallic