Die Senioren der Herbol-Werke Würzburg erinnern sich

Zeitzeugen berichten aus ihrer Sicht über Begebenheiten, Innovationen und Erfolge

Bericht von Franz Ebner
von 1982 bis 2002 bei Herbol Würzburg



Die Anfänge des Wasserbasislackes

       Der 2. Januar 1980 war mein erster Arbeitstag bei der BASF (Herbol) in Würzburg. Damals waren die Grenzen zwischen HerboI/Würzburg und Glasurit/Münster noch relativ scharf.
Das Basislackgeschäft war in Deutschland und fast in ganz Europa aufgeteilt zwischen BASF auf der einen und der Fa. DKH (heute Dupont) auf der anderen Seite.
Innerhalb der BASF wiederum gab es ebenfalls eine Aufteilung: Basislacke für Daimler kamen aus Münster, die restlichen Autobauer wurden mit Basislacken und Klarlacken aus Würzburg beliefert.
Bei dem Würzburger Basislack handelte es sich um einen Lack mit nur
13% Festkörper. Einer der entscheidenden Bestandteile dieses Basislackes war die Wachsdispersion, deren Herstellung damals größte Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Rezeptur und Herstellung dieser Wachsdispersion wurden immer wieder überprüft, korrigiert und optimiert. Denn sie war der Hauptgrund für die problemlose Verarbeitung unseres Basislackes, was wiederum schon damals der Garant für den Erfolg der BASF Basislacke aus Würzburg war.
Das einzige Manko, das unser Basislack aufwies, war sein hoher Anteil an Lösungsmitteln, welche mit dem damals aufkommenden Umweltschutzgedanken kollidierte.
Im Sommer 1980 stellte nun die Fa. ICI eine mit Wasserbasislack lackierte Karosse vor, und brachte damit die BASF erheblich in Zugzwang. Mein damaliger Chef Dr. Hermann Josef Drexler beauftragte mich, einen Wassermetallic Basislack auszuarbeiten.
Die ersten Schritte auf dem Weg zum Wasserbasislack waren gewaltig:
Wie bringt man die organisch angeteigte Alu Paste in die wässrige Phase? Wie das Bindemittel?
Kaum hat das einigermaßen geklappt, war der Lack auch schon wieder entmischt. Und dann flogen sie, die Deckel unserer Musterdosen, die sich unter dem Druck des entstandenen Wasserstoffs teilweise verdächtig aufblähten.
Und erst die Lackierung:
Warum nur fließt der Basislack vom Blech? Und warum glänzt der Mist nicht? Und der Effekt erinnert mehr an Zinkstaubfarbe als an einen Metallic. Von meinen damaligen Kollegen Fritz Gehringer, Adolf Machholz, Willi Vesper und Heinz Töpfel bekam ich manche spitze Bemerkungen zu hören, erhielt aber auch immer wieder Tipps von ihnen, wenn wir bei einer Flasche Bier die Probleme mit Wasserbasislack diskutierten (war damals noch erlaubt!).
Nach ungefähr 12 Monaten, gelegentlich unterstützt durch Maria Wehner und vor allem durch Reinhold Hupp, der mich immer wieder antrieb den Lack idiotensicher' einzustellen, hatten wir ein Produkt, das im Großen und Ganzen gesehen gar nicht schlecht aussah:
Die Lackierung hatte einigermaßen Glanz ( 1K Klarlack - Dank Wasserbasislack kam mit den Jahren auch der 2K Klarlack zu Ehren), die Haftung war vertretbar, die Schwitzwasserergebnisse erstickten die Hoffnung auf bessere Ergebnisse in der fernen Zukunft nicht gänzlich, die Dosen blähten sich nicht mehr - meistens zumindest- , die benutzen Geräte, Arbeitstische und Pistolen konnten mittlerweile auch von angetrocknetem Basislack gereinigt werden, ohne ihnen gleich mit bergmännischer Gewalt zu Leibe zu rücken, der metallische Effekt war sehr stark ausgeprägt und die Applikation, die war extrem "idiotensicher". Wolken, was ist das?

Im nächsten Schritt kam es zu einem Vergleich mit einem Wasserbasislack, den unsere Kollegen in Münster parallel zu unserem ausarbeiteten. Dazu wurden beide Basislacke von zwei Anwendungstechnikern, Henri Bissinger aus München und Dieter Holthenrich (ich glaube er war damals schon in Spanien) lackiert. Das Ergebnis war, daß der Münsteraner WBL in Schwitzwasser und auch Haftung günstiger abschnitt, in Punkto Applikationssicherheit unser Basislack allerdings um Welten besser war.
Jetzt begann die Zeit, in der unsere Kontakte zu fast allen Automobilhersteller täglich intensiver wurden - und die Überraschungen, die wir erlebten auch.
Da hatten wir bei Karman nach der Basislackapplikation riesige Stippen auf der Karosse (unsere erste Karosse überhaupt), die nach dem Basislacktrocknen, oh Wunder, plötzlich wieder verschwunden waren.
BMW war der erste Kunde, bei dem Krater auftraten und bei Daimler wollte diese verdammte Karosse nach dem Basislackauftrag einfach nicht trocknen. Entsprechend matt war dann auch das Endergebnis.
Ganz schlimm traf's uns dann bei Volvo. Dort wäre es möglich gewesen, den WBL in einer bestehenden Anlage ohne Umbaumaßnahmen zu verarbeiten, so dass wir schon 1984 den Wasserlack in Serie hätten bringen können. Die ganze Sache begann recht gut. Die Karossen wurden lackiert, schauten gut aus, wurden von der gesamten Volvo- und BASF - Hierarchie begutachtet, und von Reinhold und mir auf unserer Heimreise würdig gefeiert. Die Woche darauf allerdings begannen diese Qualitätsmenschen bei Volvo unsere schöne Lackierung zu traktieren und schafften es wirklich, den Klarlack sauber vom Basislack zu lösen, was dann fürs erste ein Ende der WBL Aktivitäten bei Volvo bedeutete.
Trotz dieses Rückschlags bei Volvo (wir erzielten zuvor tolle Ergebnisse bei den anderen Kunden), wurde 1984 eine Entscheidung getroffen. Die BASF nimmt kein Patent bei der Fa. ICI. Es wird auch nicht weiter an einer Nachverbrennung der Lösemittel des konventionellen Basislackes gearbeitet, sondern wir bauen ein WBL-Team auf, und gehen mit unserem Wasserbasislack aggressiv auf den Markt.
Dass das recht gut geklappt hat, erleben wir nun jeden Tag - Gott sei Dank.

Franz Ebner