Die Senioren der Herbol-Werke Würzburg erinnern sich

Zeitzeugen berichten aus ihrer Sicht über Begebenheiten, Innovationen und Erfolge

Bericht von Peter Bäcker
Kundenbetreuer von Opel
Bochum



Bochumer Erfahrungen mit Wasserbasislack


     Die ersten Lackierversuche in Bochum liefen im Dezember 1986.
Fast der wichtigste Punkt in den Anfängen war die Reinigungsfähigkeit der Anlagenglocken. Damit hatten wir zunächst große Probleme. Entscheidend zu unseren Gunsten war dann erst der Zusatz von Tensiden und organischen Lösungsmitteln zu unserer Reinigungsverdünnung und ein großer Schuß VE-Wasser in den WBL.

 Auch die Filtrierbarkeit war (ist) anders als gewohnt. Da in den ersten Jahren die WBL deutliche und damit schwere Rückstände in den großen Faudi-Filteranlagen erzeugten, wurden sog. Augen an den Siebanlagen befestigt, um die Einsätze mit dem Kran herausziehen zu können. Ein anderer Nachteil in der Pionierzeit war das starke weiche Absetzen in den Siebbeuteln.

Spektakulär wurde etwas zwischen den Fingern zerrieben und erklärt, daß sich dies alles (bei 13-14 bar Vorlaufdruck kein Wunder) wieder homogen einrühren läßt, es sich also um sogenannten _gutmütigem Schlamm" handelt. Diesen gutmütigen Schlamm" kennt heute noch jeder in Bochum und dem Rest der Welt. Der neue Lack wurde zu Anfang in gelben, sehr gut verschließbaren und schwer zu öffnenden Hobbocks geliefert, die leider manchmal zu Fußbällen mutierten (Gasung).

Wie man sieht war die Entwicklung von stabilen Alu-Flakes ein großer Schritt in der Entwicklung der WBL's. Die ersten gelieferten Container ( durch Stahlträger gesichert ) sahen aus, als ob wir in den Container gefährliche Tiere geliefert hätten. Auf den Container stand aber kein Gefahrstoff !
Im Dezember "86 wird die BASF als Alleinlieferant für WBL und Klarlack bestimmt. Gleich im Januar begann dann die erste serienmäßige Karossenlackierung mit Wasserbasislack in der Welt.

Im Januar 1988 waren bereits 100.000 Karossen mit BASF WBL beschichtet worden und im Mai 1996 wurde die millionste BASF-WBL Karosse lackiert! Zur Sicherstellung des Farbtons wurde im OPEL-Labor wurde regelmäßig der Farbton überprüft. Dazu wurden mit der Becherpistole 5 Bleche von f.... trocken bis patschnass lackiert und dann das beste zur Tonvorlage passende Blech als Referenzblech gewählt.

 Irgendeins paßte immer, ansonsten wurden wir verdonnert ca. 500 Kg frisches Material nachzufüllen, was sowieso gemacht wurde um überhaupt die Serie lackieren zu können. Von Anfang bis jetzt haben nur die Herren Michael Sehr und P. Bäcker dieses Projekt begleitet. Ich möchte aber auch darauf hinweisen, daß ohne die Person H.J. Drexler dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Große Schritte in der Entwicklung:

1. Stabile chromatisierte Alu-Flakes
2. Supraton
3. Paddelmischer ( größte Pleite )
4. Acrylat, ( Idee von einem mir nicht bekannten jungen Doktor) ging auch nicht.

Außerdem wurde im Bochumer Werk eine Fundstelle für in Container gefundene Reinigungsutensilien errichtet. Von Schrubberbürsten bis Akopads usw. war alles vertreten.

Zum Schluß möchte ich noch anmerken das bis heute Bochum Applikationtechnikum
der Welt war und ist das größte

Peter Bäcker