Die Senioren der Herbol-Werke Würzburg erinnern sich

Zeitzeugen berichten aus ihrer Sicht über Begebenheiten, Innovationen und Erfolge

Bericht von Hubert Baumgart
Damals Leiter der Wasserbasislackfabrik in Schwarzheide



Als Wasserbasislack noch von Hand gemacht wurde...

 
   Zweifellos gehört unser Wasserbasislack nicht nur zu den innovativsten und komplexesten Produkten, sondern auch zu den erfolgreichsten. Dieses Lieblingskind unserer OEMTechnologie war und ist untrennbar mit dem Wort Würzburg' verknüpft. Da schwingen Emotionen mit, da haftet diesem Wort nahezu etwas Mystisches an. Und dann erst die Produktion dieses besonderen Saftes. Dort wird geteigt, gesumpft und gereift, dort wird so mancher Kunstgriff angewandt, halt Hand angelegt'. Dann der Schock.

Der Wasserbasislack soll großindustriell gefertigt werden, in einer geschlossenen, hoch technisierten Anlage, gespickt mit Pumpen, Rohrleitungen und Rührorganen. Darüber hinaus nicht in Würzburg, sondern in Schwarzheide ( wo ist das ?, .nie gehört' ), denn so eine große Anlage hat in Würzburg keinen Platz. Die Expertenwelt steht Kopf (.Blödsinn...', .kann nie gehen' sind da eher noch ausgewogene Meinungen ).

Nichtsdestotrotz macht sich, während die Anlage in Schwarzheide gen Himmel wächst, in Würzburg eine 35-köpfige Gruppe daran, sich auf einen äußerst kniffligen und spannenden Job vorzubereiten, nämlich die Anlage im fernen Osten" in Betrieb zu nehmen. Es waren alle Greenhoms, doch sie legen einen mächtigen Ehrgeiz an den Tag, müssen sie doch die gesamte Fertigung von der Rohstoffprüfung bis zur Tönung beherrschen und das in einer in dieser Art einmaligen Anlage.

Spätestens hier erwacht der legendäre Teamgeist der Würzburger Mitarbeiter. Anfänglicher Skepsis weicht eine als gemeinsam empfundene Herausforderung. Man macht die neuen Kollegen fit für ihre Aufgabe. Dann die Stunde Null. Die erste Betriebsmannschaft blickt voller Ehrfurcht auf die prächtige und gewaltige neue Fabrik incl. der Lager- und Reinigungsbetriebe. Doch während außen alles schon recht fertig erscheint, zeigt sich im Inneren die Ernüchterung. Eigentlich ist nichts fertig, man steckt noch mitten in der Montage. Aggregate müssen komplettiert werden.

 Rohrleitungen und Fußböden verlegt werden, Labore eingerichtet werden und die automatische Fahrweise ist noch in weiter Ferne. Doch wieder mit äußerster Beharrlichkeit und Ausdauer gelingt gemeinsam mit der Montagemannschaft das fast Unmögliche, die Anlage ist zum angepeilten IBN-Termin einsatzbereit.


Nun trifft die Mannschaft ein mit WBL vertrauten Kollegen wohl bekanntes Problem: Krater ! Dieses hat zur Konsequenz, dass die gesamte Anlage (bis zur letzten Dichtung) noch einmal demontieren, gereinigt und wieder zusammengebaut wird, eine unvorstellbare Energieleistung. Dann die Erlösung: die kraterfreie Produktion beginnt. Im Folgenden wird die Leistung sukzessive herauf gefahren, eine Erfolgsstory macht vielen Skeptikern zum Trotz ihren Weg.

Heute fast vergessen, kann die Erinnerung an diese Tage der Inbetriebnahme ein motivierendes Beispiel für das abgeben, was einen großen Erfolg ausmacht: die Leistung eines ausdauernden und motivierten Teams !

Hubert Baumgart
Damals Leiter der Wasserbasislackfabrik in Schwarzheide